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Briefings für MoA-Animationen: drei Inputs, auf die es ankommt

Von den letzten zehn Mode-of-Action-Briefings, die wir bekommen haben, enthielten nur zwei den Mechanismus, um den es in der Animation eigentlich gehen sollte. Die anderen acht lieferten Hintergrundinfos zum Krankheitsgebiet, einen Kongresstermin und einen Kommentar zum Budget à la „TBD“. Aus den zwei vollständigen Briefings wurde noch im ersten Call ein Zeitplan und ein Budgetrahmen. Anhand dessen, was drin stand, möchte ich euch einmal knapp analysieren, worauf es bei einem guten MoA-Briefing ankommt.

Eine MoA-Animation ist eines unser technisch anspruchsvollsten Formate aufgrund der nötigen wissenschaftlichen Genauigkeit. In der Freigabekette sitzen meist Medical und Regulatory, und die Render-Pipeline verzeiht späte Änderungen nicht. Das Briefing ist deshalb kein Papierkram – es ist der wichtigste Indikator dafür, was der Film kostet, wie lange er dauert und ob er im regulatorischen Kontext überhaupt einsetzbar ist.

Drei Angaben, auf die es wirklich ankommt

1. Das Kommunikationsziel. „Erkläre, wie das Medikament wirkt“ beschreibt das Format, nicht sein Ziel. Die zielführenden Fragen lauten: Was muss der Zuschauer durch den Film verstehen oder glauben oder was soll er nach dem Angucken tun? Schulungen für medizinisches Personla auf einem Kongress, ein Explainer für Patienten, Kunden-internes Training oder ein Erklär-Clip für die Einreichung bei einer Regulationsbehörde sind vier verschiedene Filme, alle mit ihrem eigenen Detailgrad, einer anderen Erzählstruktur und Bildsprache. Sagt uns, welches Schwinderl ihr gern hättet, und das halbe Scoping ist erledigt.

2. Das Quellenmaterial. Wir bauen die Animation auf Grundlager überprüfbarer Fakten: wissenschaftliche Papers, klinische Daten, Strukturdateien, Zusammenfassungen Euer eigenen Fachleute. Diese Dokumente sollten dem Briefing direkt anhängen – und nicht für später versprochen werden ;-) „Wir schicken das nach“ bedeutet übersetzt: Die Storyboard-Abnahme rutscht um rund zwei Wochen nach hinten, weil das Dokument, auf dem das Storyboard basieren soll, eben jenes ist, auf das wir warten.

3. Die Freigabekette. Wer gibt final frei? Gibt es ein Medical Review Board? Nimmt Regulatory das Storyboard ab? Sitzt Legal mit im Loop? Das ist keine Bürokratie, es ist der Unterschied zwischen einer und vier eingeplanten Freigaberunden und damit zwischen einer acht und einer zwanzig Wochen langen Timeline. Um beide Ansätze herum kann ich einen Zeitplan bauen. Um „mal sehen“ nicht.

Was ihr weglassen könnt

  • Achtunddreißig Hintergrund-Folien zum Krankheitsgebiet. Wir lesen sie natürlich – aber sie gehören zum Referenzmaterial, nicht zum Briefing. Ins Briefing gehört der konkret zu visualisierende Mechanismus, nicht die Indikation und ihre Vorgeschichte.
  • Wettbewerber-Animationen als visuelle Referenz. „Macht es so wie die da“ ist häufig eher ein Risiko als eine Hilfe. Zeigt uns lieber verschiedene Referenzen – Architektur, Datenvisualisierung, Dokumentarfilm –, die den Ton treffen, der euch vorschwebt.
  • Die letzten drei Slide-Decks der Meinungsführer auf dem Fachgebiet. Sie schärfen das Briefing nicht. Sie verlängern nur den Kick-off-Call.

Warum als erstes der Science-Review?

Unsere erste Arbeitssession ist ein Science-Review-Call, keine Mood-Präsentation. Kreativdirektor und Scientific Lead sitzen im selben Call und einigen sich darauf, was genau die Animation darstellen muss, bevor irgendein Finger auf den Öffnen–Button einer 3D-Software klickt.

Der Grund ist ein rein praktischer. Ein Rezeptor in der falschen Konformation kann noch so schön dargestellt sein, er ist einfach falsch. Diesen Fehler erst zu entdecken, nachdem die Animationsarbeit bereits begonnen hat, heißt: neu simulieren, neu rendern, neu komponieren – viele Extra-Aufwand für etwas, das ein einziger Call in der Storyboard-Phase verhindert hätte. Studios, die mit dem Design anfangen und die Wissenschaft nachliefern, zahlen dafür genau an jender Stelle im Zeitplan, an der keine Zeit mehr übrig ist.

Jede visuelle Entscheidung führt zurück auf ein Paper oder eine Strukturdatenbank. Eine Freigaberunde einzubauen, bevor die Animationsphase beginnt ist kein Zeichen von Langsamkeit, im Gegenteil: sie beschleunigt alles, was danach kommt.

Die Checkliste

Bevor ihr auf "senden" drückt, prüft, ob euer Briefing alle sechs Punkte enthält:

  • das primäre Kommunikationsziel und die Zielgruppe
  • den Mechanismus oder Pathway, der visualisiert werden soll
  • die Quelldokumente (Papers, Daten, Strukturdateien)
  • die Freigabekette und die Zahl der Freigaberunden
  • die harte Deadline – die echte, nicht die „ideale“
  • die benötigten Ausgabeformate und Sprachen

Sind alle sechs da, bekommt ihr Zeitplan und Budgetrahmen noch am Tag des Calls oder dem nächsten. Fehlen sie, ist der erste Call der Moment, an dem wir sie gemeinsam finden – das funktioniert auch, kostet aber i.d. Regel eine Woche, in der die Produktion noch nicht starten kann. Dreimal dürft ihr raten, welche von beiden meine Lieblingsvariante ist.